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Das Kind in zwei Familien
Hilfreiche Tipps und Informationen zur Eingewöhnungsphase, zum Alltag in der Tagespflegestelle, zum Erziehungsstil, zur Kommunikation zwischen Eltern und Tagespflegeeltern, zu Ausfallzeiten (Urlaub, Erkrankungen), zum Betreuungsort und -umfeld und zur Ablösephase werden Ihnen die Vorbereitung und Planung eines Tagespflegeverhältnisses erleichtern. Bitte informieren Sie sich unter dem jeweils farbig unterlegtem Stichwort.
Die Eingewöhnungszeit:
Die Eingewöhnungszeit sollte genutzt werden, um die Beziehungen zwischen den Eltern, der Tagespflegeperson und dem Kind / den Kindern langsam und positiv aufzubauen. Gemeinsame Absprachen zu Erziehungsvorstellungen sind in dieser Zeit sinnvoll.
Besonderheiten des Kindes zu kennen, ist dabei wichtig.
Je jünger ein Kind ist, desto sorgfältiger sollte die Betreuung in der Eingewöhnungsphase vorbereitet werden. Sie kann bei Kleinkindern mehrere Wochen dauern. Die Anwesenheit der Mutter oder des Vaters in der Anfangszeit muss gewährleistet sein. Die Belastungen der Trennungsphase bedürfen in der Eingewöhnungszeit besonderer Beachtung. Sicher wird das Kind in einer noch fremden Umgebung zunächst ängstlich oder mit Trauer reagieren. Dann sind Zuwendung und Einfühlsamkeit der betreuenden Person wichtig. Ein vertrautes Kuscheltier oder von zu Hause mitgebrachtes Spielzeug kann helfen, den Trennungsschmerz zu verringern. Die Anwesenheit des Kindes in der Tagespflegefamilie ohne die Eltern sollte nur langsam gesteigert werden.
Die folgenden Punkte sollten zwischen den Eltern und der Tagespflegeperson besprochen werden:
Allgemeines:
Wie soll das Kind die Tagesmutter / den Tagesvater ansprechen?
Wie gehen Sie mit Lob und Tadel um?
War das Kind bereits in einer anderen Tagesstätte, Pflegestelle oder in einem Heim untergebracht?
Wer ist die Hauptbezugsperson des Kindes in der Ursprungsfamilie?
Kost:
Was isst das Kind gern / nicht gern?
Hat es zwischen den Mahlzeiten Hunger?
Bekommt das Kind Süßigkeiten?
Bestehen Allergien?
Wer besorgt / bezahlt besondere Lebensmittel?
Sauberkeitserziehung:
Wer besorgt Windeln?
Steht Wechselwäsche zur Verfügung?
Wie sind die Toilettengewohnheiten des Kindes?
Schlafen:
Schläft das Kind tagsüber noch?
Wann, wie oft, wie lange?
Braucht es einen Schnuller oder ein Kuscheltier?
Gibt es Besonderheiten beim Einschlafen?
Kindergarten / Schule:
In welche Kindertagesstätte / Schule geht das Kind?
Gibt es spezielle Schwierigkeiten?
Welche Hilfe ist bei den Hausaufgaben nötig?
Wie sieht der Tagesablauf / Stundenplan aus?
Spielverhalten:
Kann sich das Kind allein beschäftigen?
Was soll das Kind meiden?
Was mag das Kind, was nicht?
Darf das Kind schon selbständig Roller/Fahrrad fahren?
Umgang:
Was darf das Kind, was keinesfalls?
Welche ängste, Vorlieben hat das Kind?
Was beunruhigt das Kind?
Darf das Kind fernsehen, Videos sehen? Welche Inhalte?
Darf das Kind mit Computern, Computerspielen, Waffenspielzeug umgehen?
Wie sollen Konflikte angesprochen / gelöst werden?
Alltag in der Tagespflegefamilie:
Das regelmäßige Bringen und Holen des Kindes ist ein fester Bestandteil seines Lebens, an dem es sich orientieren kann. Kleine Kinder benötigen ein Gerüst aus festen Abläufen, da sie wenig Zeitgefühl haben.
Tagespflegeplaner mit magnetischen Täfelchen zum Tagesablauf sind beispielsweise ein bewährtes Mittel, dem Kind anschaulich den Tag zu strukturieren. Kinder haben nur ungenaue Zeitvorstellungen und halten sich deshalb an wiederkehrenden "Abläufen" fest.
Je kleiner das Kind ist, desto "sicherer" kann es sich mittels festen Strukturen durch den Tag bewegen, da jede feste Größe ihm ein Zeitgefühl vermittelt, wann es seine Eltern wieder sieht.
Klären Sie folgende Fragen miteinander ab:
- Wer begleitet die Eingewöhnungszeit?
- Wer bringt / holt das Kind?
- Wer ist Ansprechpartner für die Tagespflegeperson bei Gesprächsbedarf?
Kinder spüren sehr genau, ob sich Tagespflegeperson und Eltern einig sind. Sie sollten nicht in Loyalitätskonflikte kommen oder beginnen, die beiden Seiten gegeneinander auszuspielen.
Es ist deshalb notwendig, dass sich alle Beteiligten Zeit nehmen, um über den Tagesablauf, Sorgen, Probleme, ängste, Veränderungen oder Verärgerungen zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu suchen.
Betreuungsort und -umfeld:
Folgende Fragen stellen sich zum Betreuungsort und Tagespflegeumfeld:
- Gibt es ausreichend Wohnraum in der Tagespflegestelle, damit das Kind Platz sowohl zum Spielen als auch zum Rückzug hat?
- Gibt es für das Kind einen eigenen Schlafplatz, wenn es diesen benötigt?
- Sind die Spiel - und Schlafräume rauchfrei?
- Sind Grundsauberkeit, Hygiene und Ordnung gewährt?
- Sind die Räumlichkeiten kindersicher und kindgerecht?
- Sind Möglichkeiten bzw. Bereitschaft zum Spiel im Freien vorhanden?
(Spielplätze und Gärten gehören neben der Wohnung ebenfalls zu "Dienstorten" und sollten die nötigen Sicherheitsstandards aufweisen)
Erziehungsstil und Kommunikation:
Die Beteiligten sollten regelmäßig im Gesprächskontakt miteinander sein, um sicherzustellen, dass das Kind sich nicht in Spannungsfelder der Erwachsenen begeben muss, weil diese unterschiedliche Erziehungsstile vertreten. Dem Kind zuliebe sollten bei strittigen Fragen Kompromisse zwischen den Erwachsenen geschlossen werden. Eine einheitliche Haltung ist nötig, um dem Kind Orientierung und Grenzen geben zu können.
Sprechen Sie darüber, wenn sich Wünsche, Erwartungen, Vorstellungen nicht erfüllen und versuchen sie, die Gründe dafür gemeinsam zu finden.
Respekt und Toleranz zu anderen Erziehungsvorstellungen sind auf beiden Seiten notwendig, wenn sich kein gemeinsamer Standpunkt finden lässt.
Zuverlässigkeit, Vertrauen, Verständnis, Kommunikationsbereitschaft zwischen den Erwachsenen sind Grundlagen eines guten Tagespflegeverhältnisses.
Ausfallzeiten, Urlaub, Erkrankungen:
Die Eltern und die Tagespflegeperson des Kindes sollten möglichst früh über absehbare Ausfälle in der Betreuung wie Urlaub, Erkrankung des Kindes oder der Tagesmutter u.dgl. mehr sprechen und gemeinsam überlegen, wie diese Zeit überbrückbar ist. Vielleicht kann das Kind in dieser Zeit bei Großeltern oder Verwandten untergebracht werden.
Die entsprechenden Fachkräfte der Tagespflege in Ihrer Region bemühen sich um Unterstützung bei der Suche nach Pflegestellen für Zeiträume, welche die Eltern aufgrund kurzfristiger Ausfälle nicht abdecken können.
Erkundigen Sie sich, ob es Notpflegestellen in Ihrem Umfeld gibt.
Bei eventuellen Erkrankungen des Kindes in der Tagespflegestelle ist es u.U. notwendig, schnell handeln zu können. Diese Situation sollte von den Erwachsenen vorher besprochen sein. Folgende Fragen stellen sich in der Regel:
- Bei welcher Art Erkrankung des Kindes möchte der Elternteil sofort informiert werden?
- Wie schnell kann die Mutter / der Vater in der Tagespflegestelle sein?
- Welche Befugnisse werden der Tagespflegeperson übertragen?
Die Tagespflegeperson sollte für einen Notfall auf jeden Fall über eine Vollmacht oder das Krankenkärtchen des Kindes verfügen. überlegenswert ist auch, wer eventuell in der Tagespflegestelle kurzfristig einspringen kann, falls sich ein Notfall ereignet und weitere Kinder zu betreuen sind.
Ablösephase / Beenden der Tagespflege:
Ebenso wie die Eingewöhnungszeit, sollte auch die Entwöhnungs - bzw. Ablösephase behutsam vollzogen werden.
Das Abschiednehmen sollte stufenweise erfolgen. Ideal für das Ablösen sind längere Ferienzeiten, da die Eltern dadurch tatsächlich die Möglichkeit haben, die Betreuungszeit stufenweise zu verkürzen.
Sollte aus beruflichen oder sonstigen Gründen die Tagespflege schneller als geplant beendet werden müssen, wählen Sie möglichst eine sanfte und friedliche Form des übergangs. Fotos, Briefe, ein Abschiedsfest, spätere Besuche können dabei dienlich sein. Auch wenn die Kinder sich meist nicht über Kummer äußern, ist der Abschied für sie doch ein Bruch, der aufgefangen werden sollte.
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